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27.05.2012

Reisetipp in Jordanien

Reiseland: Jordanien
Region:
Ort:
Rubrik: Sehenswertes
erstellt am: 04.05.10
bereits gelesen: 360 mal
Weiterempfehlung: ja

Autor

Bläsner
Expertendetails:
Reisebüro Bläsner & Zimmer
Von-Stephan-Str. 4
DE - 01809, Heidenau
Tel.: 03529 - 517416
Fax: 03529 - 518630
http://www.onlineweg.de/blaesner

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Im haschemitischen Königreich

Im haschemitischen Königreich
Jordanien hat viele Gesichter, so steht es im Baedecker. Würden wir in jedes einen Blick werfen können?Wir
fuhren sehr erwartungsfroh in das Land, in dem seit über 30 Jahren
Frieden herrscht, das als das sicherste im Nahen Osten gilt.Die Gliederung in drei Großlandschaften ist auch für uns nachvollziehbar.GileadNördlich von Amman, durch den Grenzfluß Jarmuk gerahmt, ist die vorherrschende Farbe das Grün der Eichenwälder. Da viel Regen fällt, wachsen Olivenbäume, Wein, Gemüse, Obst. Die immergrüne Steineiche Quercus agilops gilt
als der Baum des Landes, als Kuriosum betrachten wir aber einen
Erdbeerbaum. Schon von Ferne zu sehen ist Qalaat ar-Rabad, die einzige
von Arabern erbaute Burg im Land, dem Schutz der Mekkapilger dienend und sicher als Widerlager zur Kreuzritterburg auf der anderen Jordanseite gedacht gewesen. An der Vorburg erwartet uns ein Teeverkäufer mit hohen, dampfenden, in der Sonne glänzenden Metallkesseln und wir hören zum ersten Mal: " Tee, Tschai, one dollar, one dinar, ein Euro!"Er lässt uns aber, ohne aufdringlich zu werden, lächelnd passieren, und von der Burgzinne herab sehe ich ihn dann kurz darauf hinter einem kleinen Häuschen auf winzigem Teppichflicken kniend, in Richtung Mekka sein Mittagsgebet verrichten, ungerührt der Tatsache, dass gerade mehrere Busladungen Touristen an seinem verwaisten Teekessel vorbeiziehen. Daß die Burg als Ruine auf dem Berg thront, hat sie den Mongolen im 13. und einem Erdbeben im 19. Jahrhundert zu verdanken. Schon kurz nach ihrer Fertigstellung wurde sie strategisch bedeutungslos. Der überwältigende Ausblick von oben hat sich über 900 Jahre jedoch unzerstört erhalten. Selbst die Mongolen haben ihm nichts anhaben können, wie ich gern bestätige.Die HauptstadtAmman sei, so behauptet die Historie, wie Rom auf sieben Hügeln erbaut. Inzwischen hat sie aber derer dreizehn okkupiert.Der einzige, auf dem ich gestanden haben will, ist der Zitadellenhügel. Von hier habe ich den schönen Blick über das Häusermeer
der modernen Stadt, mitten darin das römische Theater. Rabbath Ammon,
zehn mal im Alten Testament erwähnt, hieß der Ort als Hauptstadt der
Ammoniter. Philadelphia nannten ihn die ägyptischen Ptolemäer. Auf dem
Zitadellenhügel haben alle Beherrscher der Stadt gebaut. Japaner lassen sich zwischen den Säulen des Herkulestempels ablichten, und ich finde ein Schild COOPERATCION ESPANIOLA am Torbau des Omaijadenpalastes bemerkenswert, verweist es doch auf ein spanisch-jordanisches archäologisches Gemeinschaftsprojekt. Jawohl, in Andalusien errichteten im 8. Jahrhundert die Omaijaden im Kalifat von Cordoba ein blühendes Reich, bevor sie von Isabellala Catholica vertrieben wurden.Spanische Wiedergutmachungfür die Reconquista des 15. Jahrhunderts auf dem Zitadellenhügel von Amman? Natürlich darf dort oben auch einebyzantinische
Kirche nicht fehlen. Aber ganz besonders freue ich mich auf das
archäologische Museum und nicht nur, weil ich damit dem kalten Wind auf
dem Hügel entfliehen kann.Ich stehe vor der Kopie einer Stele, die der moabitische König Mesha nach seinem Sieg über die Israeliten schaffen ließ.Die
Inschrift bestätigt den Krieg Jeroams gegen Moab im 2. Buch Könige der
Bibel, nur o Wunder, den Sieg walzt Mesha auf seiner Stele breit aus.
In der Bibel ist die Niederlage der Israeliten wie nebenbei und
verniedlichend erwähnt: da kam ein großer Zorn über Israel, so dass sie abzogen. Die Originalstele wurde zum Streitobjekt zwischen französischen und preußischen Aufkäufern. Die Beduinen sprengten jedoch aus Profitgier die Stele und verteilten die Stücke unter sich. Zwanzig zusammengesetzte und ergänzte Originalteile sind heute im Louvre zu bewundern. Der deutsche Missionar Klein entdeckte zwar die Stele 1868, zog aber den Kürzeren im Wettlauf um den Erwerb. Und deshalb stehe ich heute auf dem Zitadellenhügel von Amman vor einer Kopie.Dr. Christian W. Schmidt