Ein wenig außerhalb Killarneys erreicht man die Zufahrt zum Muckross House: ein elisabethanisches Herrenhaus. Das riesige Haus am Muckross Lake inmitten eines weitläufigen Parks ließ sich der Parlamentsabgeordnete von Kerry, Henry Arthur Herbert, dessen Familie seit 1770 im Besitz des Landes um Killarney war, im Jahre 1843 für 30.000 Pfund bauen, eine Summe, die heute einem zweistelligen Millionenbetrag entsprechen dürfte. Haus und Innenausstattung, die noch im Original zu besichtigen ist, zeugen nicht gerade von zurückhaltender Bescheidenheit. Alle Räume sind eine Spur größer, alles Mobiliar und aller Zierrat eine Spur kostbarer, als es sich auch zu damaligen Zeiten ein Edelmann hätte leisten können. Selbst den Kindern wurde eine eigene Treppe mit niedrigeren Stufen gebaut, um sie von den Räumlichkeiten der Eltern fern zu halten.
Zu den prachtvollen Zimmern gehören die Bibliothek und das geräumige Elternschlafzimmer, das gelegentlich bedeutenden Gästen zur Verfügung gestellt wurde.
Auch das Kellergeschoss ist noch vollständig erhalten. Dort waren einstmals nicht nur eine handvoll Bedienstete tätig, sondern eine ganze Heerschar, vergleichbar mit der Versorgungszentrale eines Großhotels, wenn nicht sogar darüber hinaus. Heute befinden sich dort einige Werkstätten, wie eine Weberei, eine Buchbinderei und eine Töpferwerkstatt, deren Erzeugnisse an Ort und Stelle zu erwerben sind.
Mit dem Bau und letztlich auch mit dem Unterhalt von Muckross Hause hatte sich die Familie Herbert finanziell übernommen. 1899 verkauften sie Anwesen an Lord Ardilaun, ein Mitglied der Bierbrauersippe Guinness, der es an wohlhabende Gäste und Gesellschaften vermietete. 1911 erwarb es der reiche Amerikaner William Bowers Bourn, der den gesamten Besitz seiner Tochter Maud zum Hochzeitsgeschenk machte. 1932, drei Jahre nach deren Tod, überließ es ihr Ehemann Arthur Rose Vincent mitsamt dem 4450 Hektar großen Anwesen dem irischen Staat.
Der Bauherr, Henry Arthur Herbert, starb 1866. Er ist auf dem kleinen Friedhof von Killegy an der Straße zwischen Muckross und Killarney begraben. Auf dem gleichen Friedhof fand auch ein weitgehend unbekannter Deutscher 1794 seine letzte Ruhe, der jedoch der Welt eines der fantasievollsten Abenteuermärchen hinterlassen hat, nämlich die Lügengeschichten des Barons Münchhausen: Rudolf Erich Raspe war selbst ein schwärmerischer Abenteurer und Betrüger. Im Hannoverschen stand er unter anderem auch in Diensten des echten Barons Münchhausen, dessen gern erzählte Schlachterlebnisse Raspes Fantasie offensichtlich angeregt hatten. Im Jahr 1775 floh Raspe nach England, um der Verhaftung wegen Veruntreuung zu entgehen, wo er die Münchhausiaden niederschrieb und ins Englische übersetzte. In Schottland wurde er dann in einen Skandal wegen Goldmacherei verwickelt und flog weiter nach Irland, wo er bis zu seinem Tod für die Familie Herbert als Verwalter der Kupferminen von Killarney arbeitete.
Eine besondere Augenweide ist Muckross Garden. Dank des besonderen Kleinklimas gedeiht rund um das Haus eine verblüffende Pflanzenpracht; riesige Rhododendren und Azaleen. Föhren und schottische Kiefern so wie Zwergsträucher aller Art säumen einen von Wegen und Treppchen durchzogenen Steingarten. Die einzelnen Gärten sind wunderschön angelegt und acu kleine Flüsschen durchziehen die Gartenanlage. Viele Bänke laden zum Verweilen ein. Besichtigen kann man auch viele seltene Pflanzen in den Gewächshäusern.
Nördlich von Muckross House liegt Muckross Friary, die Ruine eines Franziskanerklosters von 1448. Inmitten des Kreuzgangs ragt eine gewaltige Eibe auf, Schnitzholzlieferant für die Werkstätten der Mönche. . Im Jahre 1652 ging das Kloster in Flammen auf, als Cromwells Truppen hier durchzogen. Aber auch die Überreste können faszinieren. Ein massiver Turm steht noch, und die Grabstätten der MacCarthy, O´Sullivan und O´Donoghue, dreier wichtiger hiesiger Clanchefs, und der größten gälischen Dichter des 17. und 18. Jh. sind hier versammelt. Auf dem Friedhof liegt neben gälischen Dichtern auch Cormac MacCarthys, der letzte König von Munster