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27.05.2012

Reisetipp Schottland in Großbritannien

Reiseland: Großbritannien
Region: Schottland
Ort: Glasgow
Rubrik: Sehenswertes
erstellt am: 04.07.10
bereits gelesen: 314 mal
Weiterempfehlung: ja

Autor

ralle11
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Reisetipp Schottland: Glasgows miles better

Glasgow liegt in den schottischen Lowlands zu beiden Seiten des River Clyde, rund 30 km oberhalb seiner Mündung. Sie ist die größte Stadt Schottlands und wird auf dem Weg in die Highlands oft ignoriert, als Industriestadt, einem Schandfleck, dem man besser aus dem Wege geht. Doch damit wird man Glasgow keineswegs gerecht. Den Flair der Industriestadt hat das Zentrum Glasgows schon längst abgelegt. Statt dessen findet man hier eine pulsierende, kulturell anspruchsvolle Großstadt. Aus der einst unschönen Industriestadt ist eine lebendige und interessante Metropole geworden. Glasgow hat sich erstaunlich viele grüne Inseln in Form von ausgedehnten Parks bewahrt. Die Bedeutung des Namens "Glasgow", was auf altgälisch so viel heißen soll wie "Dear Green Place" (geliebter grüner Platz), trifft auf gewisse Regionen heute noch zu. Die Stadtverwaltung gibt die Zahl der Parks mit über 70 an.

Mittlerweile gilt Glasgow als die freundlichste Großstadt in Großbritannien und wird sogar als "City of Love" bezeichnet.

Die Glasgowegians sind erfrischend geradeheraus , etwa derb und immer grenzenlos offen. Hier fragt auf Parties keiner nach dem Beruf und dem Gehalt, schon eher aber nach der Zugehörigkeit zu welcher Fußballmannschaft. Glasgower sind ehrlich, manchmal schonungslos, aber immer menschlich.

+++Glasgow kontra Edinburgh+++

Man fühlt sich natürlich geneigt, beide Metropolen "Glasgow und Edinburgh" miteinander zu vergleichen. Man muss dabei aber den unterschiedlichen geschichtlichen Verlauf berücksichtigen. Glasgow hatte "im Gegensatz zu Edinburgh" seine Blüte erst im vorigen Jahrhundert, und wenn die Gebäude etwas heruntergekommen wirken, zeugen ihre auf Repräsentation ausgerichteten Ausmaße und ihre Pracht von dem einstigen Status der Industriestadt.

"Das Beste an Glasdow sei der Zug nach Edinburgh", behauptet man in Edinburgh. "Das Beste an Edinburgh sei der Zug nach Glasgow", sagt man in Glasgow. Den Leuten aus Glasgow ist Edinburgh eine Angeberstadt: west endy, east windy "all fur coat and nae drawers (westendig, ostwindig" ganz und gar Pelzmantel, aber nichts drunter).

Den Leuten von Edinburgh gilt Glasgow als Heimstatt der Witz- und Raufbolde, aus der das britische Variete und das britische Fernsehen ihre Komiker, die Zeitungen ihre Schlagzeilen über Vandalismus und Drogenhandel beziehen.

Tatsächlich stellen sich beide Städte denkbar unterschiedlich dar; man kann sich keine größeren Gegensätze vorstellen. Gemeinsam aber ist ihnen, dass sie beide etwas verloren haben, was
sie bitter vermissen, weil es zu ihrer ursprünglichen Identität gehört: Edinburgh die Hauptstadtfunktion, Glasgow die Schwerindustrie. Da der Verlust mit einer empfindlichen Erwerbseinbuße verbunden war, musste jede Stadt auf ihre Weise versuchen, neue Verdienstmöglichkeiten zu finden. Was ihnen, wie es scheint, ganz gut gelungen ist, wenn auf wiederum grundverschiedene Art.

Edinburgh hat sich auf sein Image besonnen und es ausgebaut. Glasgow hat das seine im Verlauf eines Jahrzehnts verändert. Dabei musste sich Edinburgh nicht weiter anstrengen, gehörte es doch zu den schönsten Städten Europas. Das historische Erbe der Stadt musste nur noch entsprechend vermarktet werden.

Die Glasgowegians mussten von ihrem Proletkult einen völligen Imagewechsel vollziehen. Die gigantische und im Detail geniale Werbekampagne 1983, und ihr raffinierter, auf Edinburghs Royal Mile anspielender Slogan wurde über Nacht sprichwörtlich: Glasgow´s miles better "Glasgow ist Meilen besser -, was man aber auch als Glasgow smiles better lesen kann" Glasgow lächelt besser.

Bewundernswert wie man seitdem die Stadt aufpoliert hat. Die Fabrikviertel wurden einer unvergleichlichen Putzorgie unterworfen, die immer noch anhält. Fast alle gründerzeitlichen
Prachtfassaden "fast 3000 Gebäude stehen unter Denkmalschutz" hat man gereinigt, so dass sie jetzt wieder in ihrer roten Sandsteinfarbe blitzen. Die Slums konnten so gut wie beseitigt werden, rund 6 Millionen Pfund steckte man in die Aufgabe, eine neue Infrastruktur zu schaffen. Man hat neue Siedlungen gebaut und alte Gebäude nostalgisch restauriert, womit neue Unternehmen in die
stillgelegten Werften und Maschinenfabriken gelockt werden konnten. Vom hundertjährigen Industrieschmutz befreit, erstrahlen sie unverhofft in neuem Glanz. Der größte Erfolg der Aktion aber war, dass die Stadt für das Jahr 1990 zur europäischen Kulturstadt erklärt wurde. Damals war das Erstauen groß. Die einst so schmutzige Industriestadt am Clayde wurde damit in die Liste jener
Orte aufgenommen, die man gesehen haben muss. Der Fremdenverkehr ist seitdem ein neuer Industrie- und Erwerbszweig der Stadt geworden.

Im Gegensatz zu anderen Großstädten ist Glasgow eher eine Ansammlung verschiedener Gemeinden und Gegenden. Der eigentliche Stadtkern von Glasgow ist das City Centre mit dem rechteckigen, blumengeschmückten George Square. Er ist das Zentrum der Glasgower Innenstadt, der viktorianischen "Merchant City" oder "New Town". Der Platz ist umsäumt mit
12 Statuen von berühmten Männern und Frauen. Mitten auf dem Platz trohnt die Statue des schottischen Dichterfürsten Sir Walter Scott, weitere Denkmäler zeigen Königin Victoria, Prince Albert und andere namhafte Schotten wie James Watt, Robert Burns, William Gladstone, Lord ClydeThomas Campbell, Thomas Graham, Sir Rober Peel, James Oswald und Sir John Moore.

Mit der Anlage des Platzes wurde Ende des 18.Jh. begonnen, als es den Kaufleuten um die High Street und um Glasgow Cross zu eng und die Stadt nach Westen erweitert wurde. Ein Blick auf
die Häuser am Platz zeigt einen ersten Eindruck des Glasgower Jugendstils. Besonders das Haus an der Ecke zur Miller Street ist beachtenswert. In den 70er Jahren (19.Jh.) entstanden viele neue Gebäude, u.a. die ehemalige Post auf der Südseite und das Merchant House. Letzteres ist Sitz von Glasgows Handelskammer. Die 1871 gegründete Organisation ist die älteste ihrer Art im Königreich. Merchant House stammt ebenfalls aus der zweiten Hälfte des 19.Jh.

Das imposanteste Gebäude ist jedoch die City Chambers (Rathaus) auf der Ostseite
(Internet:www.glasgow.gov.uk). Sie wurden von William Young im italienischen
Renaissance-Stil entworfen und am 22. August 1888 von Königin Victora eröffnet, die damals anlässlich der Eröffnung einer internationalen Ausstellung in Glasgow weilte. Das prunkvolle Gebäude mit seinen eleganten, mit Marmor und Mosaiken verzierten Räumen gehört zu den beeindruckendsten seiner Art in Schottland. Außer dem Treppenhaus, das mit der zweitgrößten
Marmortreppe der Welt prunken kann (die größte ist im Vatikan), ist vor allem der Festsaal hervorzuheben. Die mit Mahagoni, Marmor und kunstvollen Stuckaturen geschmückten Räume lassen ahnen, welche Reichtümer der viktorianischen Industriemetropole zur Verfügung standen, an deren nur wenige Steinwürfe entfernten Rändern die Arbeiterslums die andere Seite des Kapitalismus verdeutlichten.

Auf dem Turm an der Ecke George Street und Queen Street ist ein vergoldetes Segelschiff zu erkennen, Symbol und Erinnerung an die mächtigen Handelshäuser Glasgows im 19. Jh.

Eine gute Möglichkeit für ein preiswertes Pubessen bietet das "Counting House", an der Ecke zu
St. Vincent Street gelegen. Die hohe Kuppel im Innenraum ist sehr schön. Das Pub war ursprünglich ein Gebäude der Bank of Scotland. Von den seitlichen Tischen hat man einen schönen Ausblick über St. Georg Square und City Chambers.

Im Merchant House an der Westseite des Platzes befindet sich heute die Glasgower Handelskammer. Der imposante Bau wurde 1874 von John Burnet gebaut.

Nicht weit davon entfernt, an der Ecke Queen Street/Ingram Street, stößt man auf die Gallery of Modern Art. Das neoklassizistische Gebäude mit Säulenvorbau war einst die Börse, später öffentliche Bibliothek und seit 1996 Gallery. Ausgestellt wird zeitgenössische Kunst aus der ganzen Welt, wobei die Exponate nach den Themenbereichen Erde, Feuer, Wasser und Luft angeordnet sind.

Vorbei am Merchant´s House kommt man entlang der West George Street nach Westen in die Fußgängerzone Buchanan Street. Folgt man dieser nach südwärts. So sieht man an der
gegenüber liegenden Straßenseite St. George´s Tron Church, ein Werk des Baumeisters William Stark aus den Anfängen des 19. Jh.

Daneben liegt das Gebäude der Glasgow Stock Exchange (Börse). Die Arkaden und Bögen im so genannten venezianisch-gotischen Stil stammen vom Architekten John Burnet. Die Börse erbaute er zwischen1875 und 1877. Folgt man der Buchanan Street weiter nach Süden, so fällt besonders die Häuserzeile an der Westseite der Straße auf; sie galt einmal als eines der schönsten Fassadenensembles aus dem 19. Jh. in Großbritannien.

Von hier nicht weit entfernt in der St. Vincent Street Nr. 35 ist das städtische Informations- und Touristenbüro untergebracht. Biegt man in der nächsten Querstraße nach links ein (ostwärts),
so kommt man zum Exchange Square mit The Royal Exchange (Königliche Wechsel- und Handelsbörse), heute Stirling´s Library.

Vor 200 Jahren war hier die Stadt längst zu Ende und die Villa der Cunninghams, die sich damals hier befand, lag mitten im Grünen. Nach Plänen der Architekten David Hamilton und James Smith entstand unter Einbeziehung des Cunningham-Anwesens um 1827 die heutige Royal Exchange.

+++ Die Merchant City +++

Das Schachbrett der Straßen östlich des George Squarew bis hin zur High Street bildet die Merchant City, wo einst die Tobacco Lords ihre prächtigen Paläste bauten und lebhaften Handel
betrieben. Die alten Lager- und Wohnhäuser wurden aufwendig restauriert und mittlerweile
haben sich hier teure Designer-Läden, Bistros und Cafès angesiedelt.
Ein guter Ausgangspunkt für die Besichtigung der Merchant City ist die Hutcheson Hall.

Es ist eines der elegantesten Gebäude der Stadt und wurde 1801-1805 von dem Architekten David Hamilton als Verwaltungsgebäude für die Hutcheson´s Stiftung entworfen. Die Brüder
Hutchinson waren wohlhabende Bürger im 17. Jh. und erwarben sich besondere Verdiente durch Stiftungen für alte Menschen und Waisenkinder.

In der Glasford Street gegenüberliegt das ehemalige Gildehaus der Kaufleute, das Trade House, es ist das einzige erhaltene Gebäude von Robert Adam in Glasgow. Es wurde zwischen 1791
und 1794 errichtet. Alle übrigen Gebäude, die Adam in Glasgow entworfen hat,
fielen dem viktorianischen Bauboom zum Opfer.

Glasgows bedeutendstes historisches Baudenkmal liegt nordöstlich vom George Square am Ende der Cathedral Street. Die Kathedrale of St. Mungo, zweitgrößte gotische Kathedrale Schottlands, erbaut vom 12. bis 15. Jh., wurde nie zerstört, auch nicht während der Reformation.

Im Jahre 1136 tat König David den ersten Spatenstich für die Errichtung des steinernen Gotteshauses, auf dem Gelände einer vom heiligen Mungo, dem Schutzpatron der Stadt, gegründeten Kapelle. Diese fiel aber schon bald einem Feuer zum Opfer; 1197 begannen die Wiederaufbauarbeiten; erbaut im Early English Style.

Laut einer Legende legte der heilige Mungo den Leichnam eines Heiligen namens Fergus auf eine von zwei Stieren gezogenen Karren und ließ ihn an den von Gott bestimmten Ort bringen. Dort wie die Tiere anhielten, baute er seine Kirche.

Im Innern der Kirche fällt die klare, harmonische und schlichte Proportionierung auf, welche jedoch für schottische mittelalterliche Kirchen typisch ist. Neben dem hohen Kirchenschiff mit schönen Bleiglasfenstern und dem überaus bemerkenswerten Chor ist es vor allem die so genannte Lower Church (Unterkirche), die die Kathedrale zu einem der reinsten gotischen Kirchenbauwerke erhebt.

Über einen breiten Treppenabgang gelangt man in einen wahren Wald von Säulen, zwischen denen sich das Grabmal des Heiligen Mungo verbirgt. Im Jahre 603 wurde er hier beigesetzt, zu ihm wallfahrten im Mittelalter wahre Heerscharen von Pilgern. Im Jahre 1451 hatte der Papst ein Dekret verabschiedet, wonach eine Reise zu den Gebeinen des Heiligen den gleichen Stellenwert wie eine Wallfahrt nach Rom hatte.

Auf dem Hang oberhalb der Kathedrale befindet sich der Friedhof von Glasgow (Nekropolis) mit
prachtvolle Grabsteinen und Mausoleen für die Toten der Glasgower Kaufmannsfamilien. Am höchsten Punkt des Hügels ragt eine Säule in den grauen Himmel, auf dem die Statue des Reformators John Knox thront.

Rechts, bzw. nördlich der Kathedrale, da wo früher die befestigte Residenz der Bischöfe stand, befindet sich das Royal Infirmary, ein Krankenhaus. Das Hospital erlangte Mitte des 19. Jh. eine gewisse wissenschaftliche Bedeutung, als es hier dem Chirurgen Joseph Lister 1867 gelang, mittels Karbolsäure erste Erfolge auf dem Gebiet der antiseptischen Wundbehandlung zu erringen.

Westlich der Kathedrale Ecke Cathedral Street/Castle Street steht Glasgows ältestes Gebäude
aus dem 15. Jh. (Provand´s Lordship). Das für den Kaplan des St. Nicholas Hospitals erbaute Haus ist neben der Kathedrale der einzige mittelalterliche Bau Glasgows und wurde unter Bishof Andrew Muirhead erbaut. Später wohnte hier der Verwalter der Kirchengüter (Provand), aber auch James II. und James IV., sowie Mary Stuart sollen hier abgestiegen sein. Heute ist in Provand´s Lordship ein Museum untergebracht mit Einrichtungsgegenständen des 17. und 18. Jh. Die niedrigen Decken und die karge Einrichtung vermitteln einen guten Eindruck vom Leben einer reichen Familie im 15. Jh.

Im Westen der Stadt, im Tal des River Kelvin, liegt die Universität mit dem Stadtmuseum. Die Glasgower Universität ist nach St. Andrews die zweitälteste Universität Schottlands. Die Anlage mit Turm und Innenhöfen erinnert an ein Klostergebäude. Der etwas bedrohliche Eindruck wird bestärkt, wenn man im Hunterian Museum, in der Universität gelegen, den Prüfungsstuhl betrachtet, bei dem über dem Prüfling eine Sanduhr umgedreht wurde, die seine Prüfungszeit anzeigte. Der Stuhl wird heute noch für spezielle Stipendien-Auswahlverfahren benutzt.

Den Grundstock des heutigen Museums und der Galerie bildete die Stiftung des berühmten Arztes Professor William Hunter, der 1783 seine Sammlung der Glasgower Universität vermachte.

Die Hunterian Art Gallery (Internet: www.gla.ac.uk) gegenüber der Universität enthält das nachgebaute Wohnhaus von Charles Renni Mackintosh. Das Originalhaus existiert nicht mehr. Zu sehen ist eine unvergleichliche Sammlung von Zeichnungen Skizzen, Designstudien von Mackintosh und seiner Frau Margaret Macdonald.

In der Hunterian Art Gallerey zählen neben Werken alter Meister (Rubens, Rembrandt, Dürer u.ä.) die Portraitgemälde englischer Künstler zu den bedeutendsten Ausstellungsstücken. Nördlich von
Glasgow Green, zwischen London Road und Gallowgate, im Viertel um Kent und Moncur Streets, befindet sich The Barras. Ein Wochenmarkt mit über hundertjähriger Tradition, dessen ca. 800 Händler wegen ihrer Schlagfertigkeit und Geschäftstüchtigkeit einmal in den Ruf standen, es mit denen vom Pariser Flohmarkt und von Londons Petticoat Lane aufnehmen zu können.

Die Begründerin des Markts war eine gewisse Margaret McIever, die ihre Karriere mit einem einzigen Karren (engl. "barrow") begann. Um ihren Standplatz in der Gallowgate erwarb sie weitere Areale und verpachtete sie an Straßenhändler; 1926 ließ sie das Gelände überdachen. Sie soll als Millionärin in den Ruhestand getreten sein. Der Markt ist hauptsächlich die Einkaufsgegend der sozial schwachen, irisch-stämmigen Bevölkerung.

Charles Rennie Mackintosh, der im Jahre 1868 als zweites von elf Kindern in Glasgow geborene Architekt und Designer Charles Rennie Mackintosh wird als europäisches Pendant zum Amerikaner Frank Lloyd Wright angesehen und ist auf der ganzen Welt für seinen innovativen Stil bekannt, der den europäischen Jugendstil stark geprägt hat. Mackintosh machte sich bei drei verschiedenen Arten
von Architektur einen Namen.

Öffentlichen Gebäuden
Privathäusern und
Teehäusern

Die größtenteils sind in ganz Glasgow zu sehen.

Gemeinsam mit seinem Freund Herbert MacNairn sowie den Schwestern Margaret und Francis MacDonald (Margaret wurde später die Frau von Macintosh und Francis die Frau von MacNairn) prägte Mackintosh die Entwicklung des "Glasgow Style" und wurde vor allem bei seinen vielen internationalen Ausstellungen in Europa am Anfang des 20. Jahrhunderts von den Kritikern über die Maßen gelobt. Seine Wurzeln hat der Jugendstil in den Künsten und Handwerksbewegungen in England (1861 gegründet vom Designer William Morris), welcher heftig die Schäbigkeit einiger Massen - Produktionstechniken ablehnte. Der Jugendstil borgte sich Motive von Quellen, wie variierte japanische Drucke, gotische Architektur und den symbolischen Gemälden aus dem 18. Jahrhundert des englischen Dichters und Künstlers William Blake. Es ging darum, einen sehr dekorativen Stil mit starken Elementen der Fantasie zu schaffen.

Jährliche Ausstellungen der Künste und der Handwerks - Ausstellungsgesellschaften halfen, den Stil zu verbreiten.

Charles Rennie Mackintosh wurde besonders inspiriert von Anregungen des 1893 in London gegründeten "The Studio" so wie von den Arbeiten des Holländers Jan Toorop.

Im Jahre 1896 "Mackintiosh war gerade 28 Jahre alt" wurde er mit seinen Plänen für die Glasgow School of Art über Nacht zu einem bekannten Mann. Er gestaltete den Außenbau und die Grundrisse klar und rationell, arbeitete Elemente des schottischen Schlossbaus und der damaligen Wren-Renaissance ein und bewies damit seinen Fantasiereichtum und seine Gestaltungskraft. In den
Metallarbeiten der Fassade und einem Großteil der Innenausstattung verbinden sich klare eckige Formen mit den langen, zarten, sanft geschwungenen Linien des Jugendstils. In dieser einzigartigen Harmonie lag Mackintoshs Größe. Mackintosh kreierte auch einzigartige Möbeldesigns, besonders
bekannt der Stuhl mit der hohen Rückenlehne.
Zu jener Zeit stand der erst 32jährige bereits auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft. Die berühmten Stühle mit langgezogenen Rückenlehnen und weiß lackierte Schränke mit einfachen, aber eleganten Formen hatte er bereits entworfen und auch mit Einlegearbeiten aus Metall und Perlmutt experimentiert.

Gegen viele Widerstände in seiner Heimatstadt Glasgow schuf Mackintosh in den folgenden Jahren die Queen´s Cross Church (870 Garscube Rd.; heute der Hauptsitz der Rennie Mackintosh Gesellschaft), die Scottland Street School (225 Scotland Str.; heute das Museum für Erziehung), das Glasgow Harald Building (70 Mitchell St.), das Daily Record Building (Renfield Lane) und die Martyrs Publik School (Parson St.). Für den Verleger Walter Blackie entwarf Mackintosh Hill House (unweit von Glasgow in Helensburgh, Upper Colquhoun St.) und gestaltete auch das kleinste Detail der Inneneinrichtung selbst.

Von Mackintosh stammt auch das Art Lover`s House, das "Haus für einen Kunstliebhaber". Über 80 Jahre lagen seine Pläne ungenutzt in der Schublade, bis sich der Ingenieur Graham Roxburgh, der bereits andere Macintosh-Interieurs in Glasgow renoviert hatte, entschloss, das Haus zu bauen. 1989 begannen die Bauarbeiten, fertig gestellt wurde das Haus 1996 und ist Sitz eines digitalen Design-Studios und eines Studienzentrums für Studenten der Glasgow School of Art.

Auf Grund von Anfeindungen und Spießertum verließ Mackintosh im Jahre 1913 mit seiner Frau Glasgow und zog nach London. Aber auch in der Metropole ließen Aufträge auf sich warten. Er gab Architektur und Design auf und widmete sich nur noch der Malerei. 1928 starb er in großer Armut.

Nach dem Tode seiner Witwe schätzten die Erbschaftsverwalter den Nachlass der
beiden Künstler auf 90 Pfund. 46 Jahre später kaufte das Glasgower Museum für 250.000 DM ein Mackintosh - Objekt zurück, das die damaligen Kustoden für gerade einmal 100 DM aus dem Bestand entfernt hatten.

In Spanien hatte der Jugendstil seinen möglicherweise originellsten Praktiker, Antoni Gaudi. In seinen Bauwerken finden sich kaum gerade Linien und geben den Eindruck von natürlichen Organismen, die auf die Erde übergesprungen sind, wieder.

Der Jugendstil ging 1910 zurück und überlebte den ersten Weltkrieg nicht, er war aber erfolgreich bei der vornehmen Kunst des Deco Stils. Es war nie ein weit verbreiterter Stil gewesen, weil die besten Arbeiten zu kostspielig und ungeeignet waren um sie wie Waren zu sammeln. Der Stil wurde aber in der Mitte des 20. Jahrhunderts mit Ausstellungsstücken in Zürich, in London und in New York wieder entdeckt. Der Jugendstil war eine entscheidende Entwicklung in der Geschichte der Kunst, insbesondere in der Architektur. Durch den neu definierten Stil und die Menschheitsbeziehungen zur Industrie, half Charles Renni Mackintosh den Weg vorzubereiten für den Beginn der modernen Kunst und Architektur.

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