Das heutige Brügge zählt ca. 120.000 Einwohner, wovon die meisten außerhalb des historischen Zentrums wohnen. Die Stadt liegt ca. 100 km weit von Brüssel Richtung Nordsee. Bis zur Küste sind es nur mehr ca. 10 km. Brügge ist sowohl an das Autobahn- wie auch das Zugnetz angeschlossen und verkehrstechnisch sehr rasch und einfach zu erreichen.
Die einstige Hansestadt und heutige Provinzhauptstadt wird wegen ihrer vielen Kanäle auch "Lagunenstadt des Nordens" genannt. Die Stadt ist ein touristisches Zentrum Westflanderns. Giebel an Giebel schmiegen sich die kleinen Backsteinhäuschen aneinander und dazwischen schlängeln sich Kanäle und enge Straßen.
An die alte wirtschaftliche Blüte erinnern Kirchen, Museen und historische Bauten in großer Zahl.
Brügge ist eine der malerischsten Städte Europas, ein romantisches Freilichtmuseum. Bereits im 10. Jahrhundert Zentrum von Märkten und Messen. Brügge hatte seine Blütezeit vom 12. bis ins 14. Jh. die Stadt gehörte zur Hanse und gelangte zu Reichtum und Bedeutung durch seine Verbindung zur Nordsee. Dieser Reichtum zeigt sich in der Architektur der Paläste und Kirchen der Stadt und den bewahrten Kunstschätzen der Museen.
Aus allen Teilen der Welt kamen Waren nach Brügge (Pelze, Gewürze, Gold). Kaufleute aus Frankreich und Deutschland ließen sich in Brügge nieder. Italienische Bankiers, z.B. die Medici, tätigten hier ihre Bankgeschäfte.
Die Schiffe der Hanse und der italienischen Handelshäuser gingen in Brügge vor Anker. Es war der Umschlagplatz für die englische Wolle, die in Flandern zu Tuch verarbeitet und exportiert wurde, des Salz- und Pelzhandels, durch die Italiener auch des Gewürzhandels.
Im 15. Jahrhundert erreichte Brügge seinen größten Wohlstand. Brügge war Sitz der ersten Börse. Der Niedergang der Hanse und die Versandung des Zwin führten dann nach dem 16. Jh. zum Bedeutungsverlust des "Venedig der Nordens". Erst 1907 gelang es durch die Anlage des Hafens von Zeebrügge und eines Verbindungskanals, die Wirtschaft neu zu beleben.
Brügge ist vor allem bekannt durch seine Klöppelspitze. Weitere Spezialitäten sind Töpferwaren, Keramik und Gebäck.
Dass die Produktion von Spitze gerade in Brügge so florierte, hat mit der Geschichte der Stadt zu tun. Im 15.Jh. entstand die Spitze als Verzierung der Kleidung reicher Leute. Auf Grund der stets größer werdenden Nachfrage, wurde das Klöppeln schließlich an Privatschulen und in Waisenhäusern unterrichtet und immer mehr Frauen wurden in diese Kunst eingeweiht. Für die Mädchen und Frauen aus Brügge war die Klöppelkunst besonders wichtig, da der Verkauf von Spitze oft die einzige Einnahmequelle der Familien war. Die Stadt war völlig verarmt, es gab keine Industrie und sehr viele arbeitlose Männer. Die Klöppelkunst hat sich bis heute in Brügge erhalten. Im Sommer werden im örtlichen Spitzenzentrum noch immer Klöppelkurse abgehalten.
Erst im 20.Jh. wurde man wieder auf Brügge aufmerksam und man erkannte bald, dass sich mit dieser Stadt ein Stück authentisches Mittelalter bewahrt hatte.
SEHENSWÜRDIGKEITEN IN BELGIEN
Sehenswert sind der wuchtige Pulverturm von 1398 und der Beginenhof "Ten Wijngaarde". Das Memling- Museum besitzt die wichtigsten Werke des Malers Hans Memling (1430 - 94), u.a. den berühmten Schrein der Hl. Ursula (eines der 7 Wunder Belgiens).
Die Liebfrauenkirche ist der eindruckvollste Sakralbau in Brügge (erbaut zwischen 13. Und 15. Jh.). Mit 122 m Höhe besitzt diese Kirche den höchsten Backsteinturm Belgiens.
Das Gotische Stadhuis (erb. 1376-1420), ist eines der ältesten noch erhaltenen gotischen Rathäuser Belgiens.
In der Heilig-Blut- Basilika ist eine Phiole (kleine Ampulle) ausgestellt, die einen Tropfen vom Blut Christi enthalten soll. Diese Reliquie soll Diedrich von Elsas, Graf von Flandern, für seine Verdienste im 2. Kreuzzug (1128-68) vom Patriarchen von Jerusalem erhalten haben. Alljährliche Wallfahrten.
Das Wahrzeichen Brügges ist die monumentale Stadthalle mit dem 88 m hohen Belfried mit seinem Glockenspiel. Der Belfried (Stadtturm) von Brügge ist 1999 von der UNESCO zum schützenswerten Kulturerbe ernannt worden. Gerade im Sommer ist Brügge einen Besuch wert. Gemächlich kann man sich mit einem kleinen Boot durch die verschiedenen Känale rudern lassen und in einem der vielen schönen Restaurants speisen.
Zu empfehlen sind die guten belgischen Pommes frites. Meiner Meinung nach gibt es die besten in ganz Belgien vor dem Belfried und zwar in der Frittenbude rechts vom Belfried. Probieren Sie es!
Als Mitbringsel empfehlen sich natürlich Klöppelarbeiten.