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27.05.2012

Reisetipp Belgien in Belgien

Reiseland: Belgien
Region: Belgien
Ort:
Rubrik: Essen & Trinken
erstellt am: 05.07.10
bereits gelesen: 445 mal
Weiterempfehlung: ja

Autor

ralle11
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Belgien Urlaub: Wallfahrtsort für Gourmets

Wer essen will, kann das überall. Wer gut essen will, der begebe sich nach Belgien. Das kleine Königreich der Flamen und Wallonen ist der Wallfahrtsort von Gourmets aus ganz Europa. Man sagt: Gut essen und trinken, das ist eigentlich typisch belgisch. Es ist das einzige, was Flamen und Wallonen tatsächlich verbindet.

Belgien ist das kulinarische Paradies Europas. Nirgendwo anders wird durchgängig auf so hohem Niveau gekocht, wird das Feinste vom Feinsten so raffiniert zubereitet serviert. Das gilt für Fisch, Fleisch, Wild, Gemüse, die belgischen Suppen und die Pasteten. Wer über Essen in Belgien redet, kann über Pommes frites nicht schweigen. Belgische Fritten sind weltberühmt und wohl auch die besten, die es gibt. Es gibt fast keinen Rastplatz in Belgien entlang der Autobahn, wo nicht eine Frittenbude stünde. Fritten aus Belgien sind so berühmt und dort so beliebt, dass die in Frankreich und Niederlanden berühmten Belgier-Witze diese längst thematisiert haben. Frage: Woran erkennt man, dass ein Belgier stirbt? Antwort: Wenn er seine Frittentüte aus der Hand fallen lässt. Auch im Bereich des Gemüseanbaus haben die Belgier neue Wege beschritten und ihre Kreativität spielen lassen in Form eines ganz neuen Gemüses. Witloof heißt es und ist in deutschsprachigen Ländern als Chicoree bekannt. In Belgien wird es auch das weiße Gold genannt. Diese kulinarische Erfindung und unverwechselbare Spezialität aus Belgien wird heute in alle Welt exportiert, ebenso wie die weltberühmten belgischen Pralinen. Belgische Spezialitäten gibt es unzählige. Der Jambon d´Ardenne, der Ardenner Schinken, ist eine davon. Oder die fast in jedem Restaurant auf der Speisekarte stehende Suppe namens Waterzooi. Sie enthält meist Fisch oder Hühnerfleisch.

Muscheln muss man auf jeden Fall in Belgien gegessen haben. Muschelgerichte sind immer ein Gedicht, ob in Weinsoße oder á la Provence. Ebenso wie der grüne, in einer Essig-Estragon-Soße gedämpfte Flussaal, der in Teilen Flanderns so etwas wie ein Nationalgericht ist. Oder Wild, Fasan beispielsweise, während der Saison, in den Ardennen. Bekannt und beliebt sind ferner die flämischen Bierkaninchen, im Volksmund auch flämischer Riese genannt, die als Festessen in der
Winterzeit gelten.

Manch belgischer Gambrinus-Jünger behauptet nicht nur nach ein paar Gläsern von »Verboden Vrucht« - so der Name eines der unzähligen in Flaschen und Eichenfässern gereiften belgischen Biere-, dass die Tage eines Jahres nicht ausreichen, um all die köstlichen Gerstensäfte des Landes zu kosten. Belgische Biere, die noch heute von mehr als hundert Brauereien des Landes wie der »Brouwerij De Dolle Brouwers« (Esen), der 1858 nahe Yvoir gegründete Brassserie du Bocq? und der »Brassserie Abbaye de Notre Dame« (Namur) hergestellt werden, sind hell wie
dunkel, malzig-süß wie stark-bitter. Neben »Interbrew« (Leuven), können sich noch immer kleine Brauereien wie »Liefmans« (Oudenaarde) behaupten, die sich nicht auf gängige Biere wie Pils beschränken, sondern sich dem Reinheitsgebot verpflichtet, wissen und ohne Chemie köstliche Spezialbiere wie das mit bayerischem Hopfen hergestellte, bernsteinfarbene »Goudenband« brauen. Dieses Bier verwandelt sich, nachdem es mit Sauerkirchen versetzt worden ist, zum köstlichen, so gar nicht nach Fruchtbonbons oder »Berliner Weiße mit Schuss« schmeckenden Kirschbier (»Kriek«).

Kenner schätzen Trappistenbiere, die in den Abteien von Chimay, Rochefort, Orval, Westmalle und Westvleteren gebraut werden. In dem 1821 gegründeten Kloster von Westmalle unweit von Antwerpen ist den Klosterbrüdern das »Extra« vorbehalten. Doch gelegentlich nippen sie auch am dunkelbraunen, stark malzig schmeckenden »Double«, das einen Alkoholgehalt von 7%. besitzt. Wer rund um Poperinge in den ausgedehnten Hopfenfeldern mit dem Auto oder dem Rad unterwegs ist, sollte das Café gegenüber dem Trappistenkloster von Westvleteren besuchen. Ob man allerdings nach einem »Double«, zu erkennen am grünen Kronenkorken und am leichten Vanillegeschmack, oder gar nach einem »Extra« mit fruchtiger Note und 8% alc. noch fahrtüchtig ist, darf bezweifelt werden. Aus der bekanntesten Klosterbrauerei, der Abbaye de Chimay, stammt zum Beispiel das »Chimay bleue«, mit 9% alc., das wohl eher als Portwein unter den Bieren zu bezeichnen ist. Über die Qualität der Biere wacht übrigens die Vereinigung »De Objectieve Bierproevers«, gleichgültig, ob sie nun ober- oder untergärig sind.
Ob ein Bier obergärig oder untergärig ist, ist nicht eine Frage von Gerstenmalz, Hopfen und Wasser, gelegentlich auch von Weizen, Hefe, Zucker und Farbmittel, sondern die der richtigen Brautemperatur. Während des Gärungsprozesses müssen bei obergärigen Bieren 24° bis 28° C, bei untergärigen unter 9° C eingehalten werden. Bayern können bei der Vielfalt der Biere nur noch neidisch werden. Denn die rund 150 belgischen Brauereien brauen Bier in rund 400 verschiednen Geschmacksrichtungen. Belgier trinken pro Kopf rund 120 Liter Bier jährlich. Fast soviel wie die Deutschen.

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